Was im Herbst und Winter auf dem Biolandhof Scharein passiert

Was im Herbst und Winter auf dem Biolandhof Scharein passiert

Wenn die letzten Kartoffeln aus der Erde sind und die hektischen Wochen der Ernte hinter uns liegen, beginnt auf dem Biolandhof Scharein eine Phase, die von außen oft unscheinbar wirkt, aber für das kommende Jahr entscheidend ist. Der Herbst und Winter sind bei uns keine Ruhezeit, sondern die wichtigste Bodenzeit. Die Felder atmen auf, und wir helfen ihnen dabei, sich zu regenerieren. Denn in einem Biolandbetrieb ist der Boden nicht einfach Produktionsfläche, er ist unser wichtigstes Gut.

Bodengesundheit ist elementar für die Früchte, die wir anbauen. Aber auch für die Natur, um im Gleichgewicht zu bleiben.

Während viele Menschen jetzt vielleicht eher an den Winterschlaf denken und zu Weihnachten etwas zur Ruhe kommen, startet bei uns eine tiefe, sorgfältige Arbeit, die dafür sorgt, dass die Ernten im nächsten Jahr wieder gesund und stabil wachsen können.

Pflügen im Herbst und Winter, warum der Boden jetzt unsere ganze Aufmerksamkeit bekommt

Nach der Ernte stehen die Felder erst einmal leer da, aber unter der Oberfläche beginnt der eigentliche Winterprozess. Über die Monate der Wachstums- und Erntezeit wurde der Boden verdichtet. Durch Maschinen, Erntefahrten, aber auch durch Regen und Trockenheit. Ein verdichteter Boden kann Wasser schlechter aufnehmen, Regenwürmer können nicht wandern, und Sauerstoff gelangt nicht mehr ausreichend in tiefere Schichten.

Genau deshalb pflügen wir im Herbst und Winter. Das Pflügen lockert den Boden tiefgründig auf und schafft Platz für Luft, Feuchtigkeit und Mikroorganismen. Man kann sich das wie eine Art „Durchlüften“ vorstellen: Der Boden öffnet sich wieder und wird durchmischt. Pflanzenreste werden eingearbeitet, wodurch sie als natürliche Nährstoffe zurückkehren. Regenwürmer und Bodenpilze finden wieder Raum, sich zu bewegen und ihren Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit zu leisten.

Im Biolandbau ist diese Maßnahme besonders wichtig, denn wir arbeiten nicht mit chemisch-synthetischen Düngern. Alles, was die Pflanzen im nächsten Jahr brauchen, muss in diesem Boden natürlich entstehen. Das Pflügen ist daher nicht nur eine technische Arbeit, es ist die Basis für ein gesundes, ausgewogenes Bodenleben.

Winterliche Atmosphäre auf den Feldern vom Biolandhof Scharein

Erntereste: Was auf dem Feld bleibt, wird Nahrung für das nächste Jahr

Nach dem Pflügen bleiben Pflanzenreste, Wurzelteile und Zwischenfruchtmaterial im Boden zurück. Diese werden nicht entsorgt oder weggefahren, sondern bewusst eingearbeitet. Denn was verrottet, verwandelt sich in Humus und Humus ist für den Biolandbau das, was für andere der Kunstdünger ist: die zentrale Nährstoff- und Wasserspeicherquelle.

Ein humusreicher Boden kann extrem viel Wasser aufnehmen und speichern. Er macht Pflanzen widerstandsfähig gegen Trockenheit und sorgt dafür, dass Nährstoffe langsam und konstant verfügbar bleiben. Gleichzeitig wirken die Pflanzenreste wie eine Schutzschicht: Sie verhindern, dass Wind oder Starkregen die Oberfläche angreifen oder Bodenmaterial wegspülen.

Das hat zwei Effekte:

  1. Nährstoffe zurück in den Boden
    Alles, was verrottet, wird zu Humus – dem „Schwamm“, der Wasser speichert und die Fruchtbarkeit bestimmt.

  2. Schutz vor Erosion
    Offene Böden sind empfindlich. Pflanzenreste schützen sie vor Wind und Starkregen.

So entsteht ein Kreislauf:
Die Pflanzen, die wir ernten, füttern über ihre Reste den Boden, aus dem die nächste Ernte wächst.

Zwischenfrüchte: Der Wintermantel für unsere Felder

Ein großer Teil unserer Felder wird im Herbst noch eingesät, nicht für Menschen, sondern für den Boden selbst. Wenn der Boden danach verlangt, kommen Zwischenfrüchte wie Kleegrasmischungen, Senf oder andere bodenverbessernde Pflanzen in die Erde und bedecken die Fläche über Winter. Sie wirken wie ein natürlicher Wintermantel: Sie schützen die Oberfläche, halten Regenwürmer aktiv und verhindern, dass wertvolle Nährstoffe ausgewaschen werden.

Zwischenfrüchte lockern zudem den Boden von unten. Ihre Wurzeln dringen tief ein, schaffen Hohlräume, fördern die Belüftung und liefern nach ihrem Absterben neue organische Masse. Diese Pflanzen arbeiten also den ganzen Winter hindurch für uns. Leise, unsichtbar und dennoch enorm wirkungsvoll.

Im Frühjahr werden sie wieder eingearbeitet und bringen dem Boden zusätzliche Struktur, Stickstoff und Humus. Es ist ein natürlicher Dünger, der weder Umwelt noch Wasser belastet.

Winterzeit ist Werkstattzeit

Während draußen die Böden ruhen, brummt drinnen in der Halle die Werkstatt. Der Herbst ist der Moment, in dem wir unsere Maschinen, Geräte und Werkzeuge in Augenschein nehmen, oft zum ersten Mal seit Wochen. Die Erntezeit ist hart, und kaum eine Maschine kommt ohne Macken, Verschleiß oder Schäden davon.

Jetzt werden Kartoffelroder zerlegt und gründlich durchgesehen, Traktoren gecheckt, Pflüge geschärft und bewegliche Teile geölt. Förderbänder, Sortieranlagen, Kisten und Kleinteile. Alles wird gereinigt, repariert oder ersetzt. Es ist ein großer, konzentrierter Rundumservice, der dafür sorgt, dass wir im Frühjahr nicht plötzlich vor einem Stillstand stehen.

Im Biolandbau hängt besonders viel am Zustand dieser Geräte. Weil wir Unkraut mechanisch regulieren und viel selbst herstellen oder umbauen, müssen Maschinen zuverlässig funktionieren. Eine kaputte Hacke oder ein falsch eingestellter Striegel kann sonst schnell eine ganze Reihe von Arbeitstagen kosten.

(Man beachte die Schwalbennester unter dem Dach)

Aufräumen nach der Saison, wenn der Hof wieder Luft holt

Parallel zur Werkstattarbeit passiert etwas, das fast befreiend wirkt: Der Hof wird wieder aufgeräumt. Nach Wochen voller Trubel, Materialtransport, Erntefahrten und Lagerarbeiten liegen überall Kisten, Paletten, Werkzeuge, Seile, Folien und Ersatzteile. Der Herbst bringt Ordnung zurück.

Der Herbst ist deshalb auch eine Art „Großreinemachen“:

  • Sortieren und Reinigen aller Kartoffelkisten
  • Lagerhallen ausfegen
  • Kühlräume bereitmachen
  • Arbeitsplätze ordnen
  • Maschinen einwintern
  • Betriebsgelände aufräumen

Kisten werden gereinigt und gestapelt, Lagerhallen ausgefegt, Sortierplätze aufgeräumt, Kühlräume vorbereitet und Geräte eingelagert. Man merkt richtig, wie der Hof wieder „frei“ wird. Die Luft wirkt klarer, die Geräusche leiser, die Wege übersichtlicher.

Und auch dieser Teil ist wichtig, denn ein gut sortierter Hof spart unzählige Stunden in der kommenden Saison.

Warum diese Phase entscheidend ist

Im Biolandbau gibt es keinen „schnellen Ausgleich“ mit synthetischem Dünger oder chemischem Pflanzenschutz. Alles beginnt im Boden. Alles, was wir im Herbst tun, bestimmt, wie gut der Boden im nächsten Jahr arbeitet.

Ein gesund gepflegter Boden:

  • speichert Wasser
  • ist widerstandsfähig gegen Hitze
  • verhindert Erosion
  • nährt Pflanzen gleichmäßig
  • schafft stabile Erträge
  • bindet CO₂
  • und reduziert den Krankheits- und Schädlingsdruck

Der Winter auf dem Biolandhof Scharein bedeutet also viel Arbeit, die man so nicht vermuten würde:

  • Pflügen und Bodenlockerung
  • Pflege des Bodens als wichtigstes Produktionsmittel
  • Zwischenfrüchte für Humus und Biodiversität
  • Reparatur und Wartung von Maschinen
  • Aufräumen und Vorbereitung für die nächste Saison

Es ist die Zeit, in der der Hof wieder tief durchatmet und die Natur den Staffelstab an uns übergibt, die Böden für ein neues Jahr vorzubereiten.

Der Herbst und Winter sind daher unsere größte Investition. Nicht in Ernte, sondern in Bodengesundheit.

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