Warum echte Bio-Lebensmittel teurer sind
Wir werden häufig auf den Preis von Biolebensmitteln angesprochen, warum er höher sei. Neben einem geringeren Ertrag durch den Verzicht auf synthetische Pestizide und künstliche Dünger, ist einer der Hauptgründe: der Aufwand. Wenn ein Kürbis im Laden liegt, eine Schale Blaubeeren auf dem Tisch steht oder frischer Spitzkohl in den Versand geht, sieht alles erst einmal einfach aus. Da ist ein gutes Lebensmittel, gewachsen auf dem Feld, geerntet, verpackt und bereit für die Küche. Lecker.
Was man selten sieht: die vielen kleinen und großen Arbeiten, die nötig sind, damit es überhaupt so weit kommt.
Gerade auf einem Biolandhof besteht Landwirtschaft nicht nur aus Aussaat, Wachstum und Ernte. Dazwischen liegt ein ganzer Alltag aus Beobachten, Kontrollieren, Nacharbeiten, Reparieren, Schützen, Pflegen und Reagieren. Vieles davon passiert nebenbei. Es steht auf keinem Etikett. Es ist auf keinem schönen Produktfoto zu sehen. Aber ohne diese Arbeit würde vieles gar nicht wachsen, oder nicht in der Qualität, die wir am Ende erwarten und die auch unsere Kunden erwarten.
Ein Hof ist: Planung und Flexibilität in Einklang bringen
Das vielleicht Anspruchsvollste als Landwirt ist für mich: Einerseits den Überblick zu behalten und Dinge gut zu planen, die das ganze Jahr über erledigt werden müssen und andererseits, immer wieder flexibel genug zu sein, um auf akute Lagen reagieren zu können. Denn das ist die wahre Kunst, Planung und Flexibilität in Einklang zu bringen, ohne dass etwas vernachlässigt wird. Im Kern besteht unser Alltag auf dem Biolandhof Scharein also aus vielen kleinen Aufgaben, die häufig unspektakulär wirken.
Bevor etwas geerntet werden kann, müssen Felder vorbereitet, Böden gepflegt und Kulturen geplant werden. Es wird gepflügt, gelockert, gehackt, gewässert, kontrolliert und immer wieder entschieden, was gerade nötig ist. Jede Kultur hat ihre eigenen Anforderungen. Erdbeeren brauchen andere Aufmerksamkeit als Kartoffeln, Blaubeeren andere Pflege als Kürbisse oder Spitzkohl.
Dazu kommen all die Arbeiten, die nicht direkt mit einer einzelnen Pflanze zu tun haben, aber trotzdem erledigt werden müssen. Zäune auf den Plantagen und Weiden müssen kontrolliert und repariert werden. Bewässerung muss vorbereitet, umgelegt, geprüft und manchmal in trockenen Phasen fast täglich angepasst werden. Maschinen müssen laufen, Schläuche dicht sein, Netze halten, Kisten bereitstehen, Wege befahrbar bleiben.
Das bleibt unsichtbar und ist einigen Menschen auch gar nicht mehr so klar, da kaum jemand Landwirte in seiner Familie oder Bekanntschaft hat. Es ist aber von existenzieller Bedeutung. Nur so entsteht gute Nahrung.
Bio bedeutet auch: genauer hinschauen
Im ökologischen Anbau wird vieles nicht einfach mit schnellen Mitteln gelöst. Wenn Beikraut zwischen den Reihen wächst, wird es mechanisch entfernt. Das heißt: hacken, striegeln, fahren, nacharbeiten und manchmal auch von Hand eingreifen. Gerade bei empfindlichen Kulturen oder jungen Pflanzen reicht es nicht, einmal über das Feld zu fahren und die Sache ist erledigt. Da ist der abschließende "Spaziergang" durch die Reihen schon obligatorisch.
Man muss immer wieder hinsehen: Wie stehen die Pflanzen? Ist genug Wasser im Boden? Gibt es Schädlingsdruck? Haben sich Pilzkrankheiten angekündigt? Ist Wildverbiss zu sehen? Sind Vögel an den Früchten? Ist ein Netz verrutscht? Hat der Wind etwas gelöst? Muss nachgesät werden?
Bio-Landwirtschaft ist deshalb auch viel Beobachtungsarbeit. Sie braucht Erfahrung, Geduld und Nähe zum Feld. Man muss draußen sein, bevor ein Problem groß wird.

(Netze werden ausgelegt und über Drähte gespannt.)
Wenn Krähen eine ganze Aussaat zunichtemachen
Manchmal reicht trotzdem ein einziger Morgen, und Wochen der Vorbereitung sind weg.
Bei unseren Kürbissen wurde uns vor einigen Wochen die gesamte erste gekeimte Aussaat von Krähen zunichte gemacht. Die Samen waren aufgegangen, die jungen Pflanzen kamen gerade aus dem Boden und genau dann wurden sie herausgezogen und gefressen. Sehr ärgerlich, aber sowas passiert. Das ist kein Sonderfall, das ist Landwirtschaft. So ist die Natur.

(Neue Kürbispflanzen warten darauf, in den Boden gepflanzt zu werden)
Dann beginnt die Arbeit von vorn. Neue Aussaat organisieren. Wieder aufs Feld. Wieder vorbereiten. Und zusätzlich vorgezogene Pflanzen in den Boden bringen, die nicht mehr so empfindlich sind. Und dann alles zusätzlich schützen: Netze spannen, befestigen, kontrollieren, nachjustieren. Je nach Fläche ist das schwere, langsame Handarbeit. Man arbeitet sich Reihe für Reihe vor, achtet darauf, dass nichts offen bleibt, dass das Netz nicht zu locker liegt, dass es Wind und Wetter aushält.
Am Ende sieht man davon nichts. Die Meisten sehen später nur den leckeren, goldgelben Kürbis. Und das ist auch in Ordnung. Aber zu verstehen, was dafür gemacht werden musste, erklärt eben auch den Preis für unsere überdurchschnittliche Qualität.
Blaubeeren schützen heißt: rechtzeitig handeln
Nebenbei bekommen die ersten Blaubeeren Farbe. Auch hier muss jetzt geschützt werden. Wenn die Beeren reifen, werden sie nicht nur für Menschen interessant. Vögel merken sehr schnell, wann etwas süß wird. Dazu kommen Schädlinge, Wetterrisiken und die empfindliche Frucht selbst.
Unsere feinmaschigen Netze müssen daher rechtzeitig gespannt werden. Nicht zu früh, nicht zu spät. Sie müssen die Pflanzen schützen, ohne sie zu beschädigen. Nach Wind oder Regen muss kontrolliert werden, ob alles noch sitzt. Hängt ein Netz offen, finden Vögel den Weg. Liegt es falsch, kann es Triebe belasten oder bei der Ernte stören.
Das ist eine Arbeit, die kaum jemand mit einer Schale Blaubeeren verbindet. Aber sie gehört dazu, damit am Ende überhaupt genug Beeren in guter Qualität geerntet werden können.
Wasser ist mehr, als die Pumpe anzustellen
Bevor die Pflanzen gewässert werden können, ist einiges zu tun. Zuerst müssen Schläuche für die ressourcenschonende Tröpfchenbewässserung verlegt und angeschlossen werden. Wer das mal bei 40 Grad in der Sonne gemacht hat, weiß wie schweißtreibend diese scheinbar banale Arbeit sein kann. Danach muss man ein Auge auf die Feuchtigkeit im Boden haben. Gerade in trockenen Phasen muss immer wieder geprüft werden, welche Flächen Wasser brauchen, welche Kulturen empfindlich reagieren und wie der Boden die Feuchtigkeit hält.
Erdbeeren, Spitzkohl, Kürbisse, Kartoffeln und Blaubeeren haben unterschiedliche Ansprüche. Zu wenig Wasser stresst die Pflanzen. Zu viel Wasser ist Verschwendung und kann ebenfalls schaden. Also wird kontrolliert, umgelegt, angepasst. Neue Schläuche müssen gezogen, Anschlüsse geprüft, Leitungen repariert und Zeiten abgestimmt werden.
Das passiert oft früh, spät oder zwischendurch. So, wie die Natur es fordert.
Handarbeit zwischen den Reihen
Viele Arbeiten auf dem Feld werden bei uns manuell erledigt. Nicht für alles kann man Trecker benutzen. Bei Erdbeeren werden Pflanzen kontrolliert, Reihen gepflegt, Früchte geschützt und Unkraut entfernt. Bei Kartoffeln geht es um Dämme, Krautentwicklung, Bodenfeuchte und Erntezeitpunkt. Beim Spitzkohl werden die Bestände beobachtet, einzelne Köpfe geprüft und später vorsichtig geerntet, damit die zarten Blätter nicht unnötig beschädigt werden.

(Vor allem Melde wächst gerne zahlreich in den Furchen. Wird sie zu hoch, nimmt sie den kleinen Pflanzen das Licht und die Nährstoffe weg. Sie muss mechanisch entfernt werden.)
Manchmal ist es ein Handgriff. Manchmal ein ganzer Tag. Manchmal eine Woche, in der dieselbe Arbeit immer wieder gemacht werden muss, weil Wetter, Wachstum und Natur keinen festen Plan kennen. Und weil unsere Nahrung nicht mit Chemie bearbeitet wird, sondern einfach natürlich wachsen darf.
Auch Weiden, Wege und Ränder gehören dazu
Seit letztem Sommer besteht unser Hof nicht nur aus den Kulturen, die später verkauft werden. Eine neue Rinderherde, ebenfalls Bioland-zertifiziert, ist dazugekommen. Jetzt müssen auch viele Weiden gepflegt werden, Zäune freigeschnitten, Pfähle geprüft und Drähte repariert und gespannt werden. Wege müssen befahrbar bleiben. Feldränder müssen beobachtet werden. Geräte müssen gereinigt, gewartet und einsatzbereit sein. Kisten, Messer, Netze, Stroh, Kartons und Verpackungsmaterial müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
Wenn das funktioniert, merkt man es nicht. Genau das ist der Punkt. Viele Arbeiten fallen erst auf, wenn sie nicht gemacht wurden.

(Michael Scharein und seine Annabelle, die Frühkartoffel)
Gute Lebensmittel ist das Ziel
Ein guter Spitzkohl, eine aromatische Kartoffel, eine süße Erdbeere, ein reifer Kürbis oder eine Schale Blaubeeren sind am Ende nur der sichtbare Teil einer langen Kette. Dahinter stehen Bodenarbeit, Planung, Wetterbeobachtung, Pflege, Schutz, Reparaturen, Handarbeit und viele Entscheidungen, die draußen auf dem Feld getroffen werden. Nicht zu vergessen, die vielen Unebenheiten im Alltag, die man nicht planen kann und die einen auch mal bis tief in die Nacht beschäftigen.
Aber am Ende ist es uns wichtig, dass Du ein gesundes und aromatisches, frisches Lebensmittel in der Hand hältst und unbeschwert genießen kannst. Früchte, wie damals von Oma aus dem Garten. Frei von Pestiziden und chemischen Rückständen, angebaut im Einklang mit der Natur. Dafür braucht es eine Menge Arbeit und Zuwendung. Und genau das macht unsere Lebensmittel auch teurer, als die normale Ware aus dem Supermarkt oder Discounter, die in einem ganz anderen Maßstab und unter völlig anderen Umständen angebaut wird. Aber wir sind der Meinung, es lohnt sich. Für Dich, für uns und für die Natur.
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(Transparenzhinweis: Einige Bilder in unseren Blogartikeln werden unter Verwendung von KI bearbeitet.)